RestaurantsEine Kurzanleitung zur chinesischen Esskultur

Tipps, um sich beim Essen in China nicht zu blamieren

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Das Reisen in China hat für Uneingeweihte gewisse Tücken (und sorgt manchmal auch für Kopfschütteln, z. B. stellt sich niemand in Warteschlangen). Der erste Unterschied, der vielen Reisenden sofort auffällt, ist der außergewöhnliche Fokus auf dem Essen. Essen gehört schlicht zur chinesischen Lebensart dazu. Auf diese Weise zeigen sich Familienmitglieder ihre Zuneigung, präsentieren ganze Regionen ihren Stolz und werden besondere Tage gefeiert. Statt „Wie geht es dir?“ fragt der Chinese „Chi fan le ma?“, wörtlich übersetzt: „Hast du gegessen?“.

Der schnelle Aufstieg Chinas von einer armen Agrargesellschaft hin zu einer urbanisierten Wirtschaft hat den Schmerz der Lebensmittelknappheit, unter dem Generationen litten, gelindert, wenn auch nicht ganz ausgemerzt. Es ist nichts Ungewöhnliches, wenn Eltern ihre Liebe zu ihren Kindern nicht mit Worten zeigen, sondern indem sie sich vergewissern, dass sie anständig gegessen haben. Ein berühmtes Gedicht von Zhu Ziqing aus dem Jahr 1925, Der Anblick des Rückens meines Vaters, endet damit, dass ein gealterter Vater seinem erwachsenen Kind seine Liebe beweist, indem er Bahnschienen überquert, um ihm Mandarinen zu kaufen.

Bei einer über 5.000 Jahre alten Ess- und Trinkgeschichte überrascht es kaum, dass einige alte Bräuche auch heute noch gelebt werden.

Selbst hinter Grundnahrungsmitteln stehen interessante und symbolische Geschichten. Beispielsweise das allgegenwärtige Mantou – eine Art lockeres weißes Brötchen, das im Norden an Stelle von Reis gegessen wird. Nach Zhuge Liangs großem Sieg über die einfallenden Barbaren stießen er und seine Truppen bei der Rückkehr in die Heimat auf einen großen Fluss, den sie nicht überqueren konnten. Einheimische erzählten ihnen, frühere Armeen hätten 50 barbarische Gefangene opfern und deren Köpfe in den Strom werfen müssen, um den Gott des Flusses zu besänftigen. Des Krieges müde, befahl Zhuge Liang seinen Männern, 50 kopfförmige Fleischbrötchen in den Fluss zu werfen, um den Gott zu täuschen. Im Anschluss an die erfolgreiche Überquerung des Flusses gab man den Brötchen den Namen Mantou, „barbarische Köpfe“.

Es gibt eine chinesische Teetradition, die seit mehr als zwei Jahrhunderten Bestand hat und auch heute noch gebräuchlich ist. Sie werden feststellen, dass, wenn Sie einem Freund eine Tasse Tee einschenken, dieser mit den Fingerknöcheln auf den Tisch klopft. Dies ist eine Art sich zu bedanken, die auf den Qianlong-Herrscher aus dem 18. Jahrhundert zurückgeht, der sich als junger Mann verkleidet unter seine Untertanen mischte, um ein Gefühl für sein Volk zu bekommen. Eine Gruppe von Dienern sorgte dabei für seine Sicherheit und bewahrte gleichzeitig sein Geheimnis. Eines Abends saßen der Herrscher und sein Gefolge in einer Taverne und er goss dem Diener, der neben ihm saß, aus einer Laune heraus eine Tasse Tee ein. Das war eine Ehre, die bis dato niemandem zuteil geworden war. An jedem anderen Ort wäre der Diener auf die Knie gegangen und hätte seinen Kopf bis zum Boden gesenkt. Um jedoch die Verkleidung seines Herrn nicht auffliegen zu lassen, imitierte der Diener geistesgegenwärtig den Vorgang des Hinkniens mit der Hand und klopfte als Geste der Unterwerfung mit den Fingerknöcheln auf den Tisch, so dass allen übrigen Anwesenden die Identität seines Herrn weiterhin verborgen blieb.

Jumeirah Nanjing Cha Jie Frau spielt Instrument

 

Für China-Neulinge gibt es einige Tipps, die Ihnen helfen, ebenfalls unerkannt zu dinieren. Für den Anfang sind hier einige Verhaltensregeln:

 

In einer Gruppe niemals allein trinken

Wenn Sie mit einer Gruppe chinesischer Freunde zusammensitzen, denken Sie daran, vor dem Trinken stets einen Trinkspruch zu sprechen. Allein zu trinken und sich selbst einzuschenken, gilt als unhöflich.

 

Essstäbchen niemals in den Reis stecken

Das wäre ein Symbol für die Weihrauchstäbchen, die zu Ehren der Toten in Reis gesteckt werden. Chinesen können es nicht ertragen, an den Tod erinnert zu werden, was ein Grund dafür ist, dass die Zahl 4 als Unglücksbringer gilt. Vier - oder Si - erinnert an das Wort für Tod, daher gibt es nicht einmal vierstöckige Gebäude.

 

So weit entfernt wie möglich vom Ehrenplatz sitzen

Sie werden feststellen, dass die Tische in chinesischen Restaurants meistens rund sind. Der Ehrenplatz ist der Platz, der am weitesten von der Tür entfernt und mit Blick auf die Tür gerichtet ist. Früher war dies der sicherste Platz, weil man so einen eintretenden Angreifer direkt erkennen konnte. Bei einem Geschäftsessen nimmt die wichtigste Person (unter Umständen der Chef) stets den Ehrenplatz ein; diese Person wird es zu schätzen wissen, wenn ein anderer Gast weiß, dass er nicht direkt daneben Platz nehmen sollte. Gelegentlich diskutieren die beiden wichtigsten Personen darüber, dass der jeweils andere den Ehrenplatz einnehmen sollte.

 

Es gilt als höflich, wenn der Gastgeber darauf besteht, dass mehr gegessen wird

Sie müssen sich keine Sorgen machen, wenn Sie gedrängt werden, mehr zu essen; der Gastgeber ist ganz einfach höflich. Wenn Sie satt sind, sagen Sie es einfach.

 

Getrennt zu bezahlen gilt als seltsam

In China bezahlt stets einer für die ganze Gruppe. Jeder weiß, dass man sich wiedersehen und dann jemand anders bezahlen wird. Als Reisender gelten Sie als Gast und Ihr chinesischer Gastgeber wird es als Beleidigung auffassen, wenn er sich nicht um Sie kümmern darf.

 

Nun, da Sie Bescheid wissen, empfehlen wir, dass Sie Ihr neu erworbenes Wissen in einem der Jumeirah-Restaurants testen und Erfahrungen mit der echten regionalen chinesischen Küche sammeln. Shang-High-Cuisine im Jumeirah Himalayas, Lu Chao im Jumeirah Nanjing und Ting Restaurant im Jumeirah Living Guangzhou.